Dieses Jahr jährt sich zum zehnten Mal eines der bekanntesten Verbrechen mit homophoben Beweggründen: der Mord an dem damals 21-jährigen Matthew Shepard. Hier gibt es einen guten Artikel dazu, außerdem kann mensch nachlesen, dass es auch heute nicht besser um die Situation von Menschen bestellt ist, die nicht heterosexuell leben.
Eine vielleicht streitbare These zum Thema der weiter anwachsenden Homophobie findet sich hier, dort werden auch aktuelle Zahlen für Deutschland veröffentlicht:
Trotz Wowi, Thomas Hermanns und Maren Kroymann: 52 Prozent aller Lesben und Schwulen haben sich am Arbeitsplatz nicht geoutet. Mehr als die Hälfte der schwulen Jugendlichen in Deutschland, 56 Prozent, sind Spott ausgesetzt. „Schwul“ ist das beliebteste Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen. Bei der mit 24.000 Teilnehmern bisher größten Umfrage zum Thema, die das Berliner Anti-Gewalt Projekt Maneo durchführte, gaben mehr als ein Drittel der Befragten an, sie seien in den letzten zwölf Monaten Opfer von Gewalt gewesen. Das sind nicht nur abstrakte Zahlen, sondern dahinter verbergen sich Geschichten von Menschen in diesem Land. Die Folgen der Angriffe hat Maneo gerade mit einer Fotoausstellung dokumentiert.
Wie kommt es also, dass man in der Gegenwart gleichzeitig den Fortschritt homosexueller Rechte und sein Gegenteil, die Zunahme an Gewalt und Diskriminierung feststellen muss? Ein naheliegender Grund ist natürlich, dass Emanzipation niemals ein natürlicher, sondern immer ein politischer Vorgang ist, der deshalb auch nie sicher sein kann, sondern stets wiederholt und bekräftigt werden muss: genauso wie ein Coming-out – es sei denn, man ist berühmt. Und solange die Schulen nicht die Aufklärungsarbeiten leisten, zu der die meisten Eltern nicht fähig sind, wird Wissen über sexuelle Minderheiten mit jeder Generation neu umkämpft und nie an einem sicheren kulturellen und sozialen Ort angekommen sein.