Kategoriearchive: Vom anderen Ufer

…so gut, dass man sie unbedingt verlinken muss.

der hier zum beispiel.

alleine dieser satz

Max Goldt sagte sehr klug, dass seine Homosexualität genauso viel über ihn aussagt wie sein Vegetariertum, nämlich herzlich wenig.

hat mir schon große freude gemacht.

by the way: ich bin mir nicht sicher, ob ich mit der these, dass es „vor allem jugendliche mit migrationshintergrund sind“, die homophob reden und handeln, so mitgehen würde. da müsste man genauer hinschauen, wie diese aussagen zustande kommen und welchen hintergrund die haben. insgesamt zeigt der film aber eine tendenz, die ich bemerkenswert und erschreckend finde: es hat sich in bezug auf die akzeptanz schwul-lesbischer lebensweisen in den letzten jahren nicht wirklich etwas verändert. darüber kann auch die mediale präsenz von homosexuell empfindenden menschen in irgendwelchen daily-soaps nicht hinwegtäuschen.

ein filmchen, das ich schon seit einer weile posten wollte.

es handelt sich quasi um die zusammenfassung einer relativ ausführlichen reportage (die man von dem film aus auch erreichen kann). besonders spannend fand ich ein statement einer jungen frau, die über das „sich immer wieder outen müssen“ sprach.

ich habe ein paar nachträge und ergänzungen:

zum einen hat die zeit einen interessanten artikel über evangelikale christen, die aus deren kreisen oft verbreitete idee der reparativen therapien von homosexuell empfindenden menschen und die frage nach dem freiheitlichen wissenschaftlichen diskurs in diesem kontext veröffentlicht.
dazu noch zwei anmerkungen: zum einen wird im zusammenhang mit einem papier, das ein wissenschaftler verfasst hat, über die erhöhte suizidrate und die häufigere beobachtbarkeit von depressionen bei menschen (v.a. jugendlichen), die homosexuell empfinden, gesprochen. dazu bleibt einmal mehr zu sagen: ein aufwachsen in einer gesellschaft, in der sich ein einzelner zunächst vollkommen isoliert und “falsch” fühlen muss, da sie heterosexuell und nicht zwischen verschiedenen sexuellen orientierungen gleichberechtigt organisiert ist, führt sicherlich nicht so einfach zu einem gesunden und stabilen selbstwertgefühl. Und auch nicht zu bejahender selbstliebe wie unter gleichen bedingungen ein heterosexuell empfindender jugendlicher. dazu kann man hier mehr lesen.
(ein blick in schulbücher oder klassische werbesendungen reicht, um diese these zu erhärten – es gibt nahezu keine werbung, in der zwei männer einfach zusammen einkaufen gehen und dabei feststellen, dass die eine nudelsauce mit mais viel besser schmeckt, als die andere. oder die eine versicherung mehr “freiräume” einräumt als die mitbewerbende – beispielsweise. und wenn doch, dann ist mit sicherheit davon auszugehen, dass klassische stereotype diese sendung begleiten werden. zu diesem bereich gehören auch situationen wie die frage bei einem jungen nach der ersten freundin, der umgang mit dem thema in der schule und in der peergroup, die angst, dass der zweijährige, wenn er mit puppen spielen würde, womöglich ein homo werden könnte.
gerade diese idee ist immer noch präsent. ein blick in ein beliebiges forum zeigt, dass das thema immer wieder diskutiert wird – und auch wenn inzwischen klar ist, dass es keinen zusammenhang zwischen puppenspielerei und sexueller orientierung gibt, halten sich die beiträge, die eine „schwul ist genauso okay wie hetero“-perspektive einnehmen, sehr in grenzen).

der andere wesentliche punkt scheint mir zu sein, dass die kombination aus religiöser veränderungsperspektive und scheinbar psychologischer kompetenz eine nicht ungefährliche mischung ergibt. diese zielt im endeffekt auf den eben angedeuteten punkt ab: der versuch ist nicht, gesellschaftliche zusammenhänge als problematisch zu verstehen sondern dem einzelnen, der unter diesen – sehr vorsichtig formuliert – nicht wertschätzenden verhältnissen leidet, ein angebot zu machen, sich „verändern“ zu können. natürlich ist das perfide: es wird eine normativ aufgeladene idee der welt unterstützt, die es dem einzelnen schwer macht, sich darin willkommen geheißen zu fühlen und dann bietet man ihm an, dass er sich verändern kann. ebenso könnte man sich eine welt vorstellen, in der diejenigen, die zwei ungleich lange daumen haben (schauen sie schnell!) diejenigen sind, die nicht so recht in den (schöpfungs-/wasauchimmer-)plan passen und ihnen dann „heilung“ versprechen. das wäre genau das gleiche.

hier noch ein paar weitere schnelle links:
zum adoptionsrecht und dem rückzug der klage der bayerischen landesregierung gegen die stiefkindadoption findet sich hier ein guter beitrag.

und zur ganz alltäglichen homophobie ist hier ein besonders schönes exemplar von einem blogger notiert worden. hier wiederum findet sich eine interesannte studie zum thema.

und gestricktes gibts auch bald wieder….

ich habe in den letzten tagen festgestellt, dass ich es sehr schwierig finde, zwei verschiedene ebenen innerlich zu trennen, wenn es um ausgrenzung von menschen geht, die anders sind als die, die die angebliche mehrheit stellen.
in bezug auf das, was allgemeinhin als sexuelle orientierung beschrieben wird, stößt mir das besonders auf. viele diskussionen spielen sich auf einem sehr abstrakten und oft nahezu sterilen terrain ab. das hat sicherlich gute gründe, denn die argumentative auseinandersetzung damit benötigt einen möglichst „objektiven“ raum. auf der anderen seite kann dabei in vergessenheit geraten, worum es eigentlich geht: um menschen, die einen anderen menschen lieben. ausbuchstabiert also: um menschen, die einander vertrauen, die sich nacheinander sehnen, die leben miteinander teilen wollen. wie das im einzelnen aussieht, ist sicherlich sehr individuell – manche verwandeln ihre wohnung in ein kerzenmeer um dem anderen zu zeigen, dass sie ihn lieben. andere drücken sich mit worten, blicken oder gesten aus. ob es das gefühl ist, nicht alleine einzuschlafen oder die berühmte schulter – liebe lässt sich kaum in worte fassen.
heute sah ich zwei junge männer, die ganz ineinander versunken waren, in einem café sitzen. sie haben sich, so hätte man früher vielleicht gesagt, vollkommen genügt. und das gefühl ist ein anderes als das, was ich wahrnehme, wenn ich lese „dass schwule und lesben keine kinder adoptieren können“ oder das „homosexualität widernatürlich ist“. vielleicht ist es dieser transfer, der es einfacher machen würde, einander zu verstehen. und bei den vielen diskussionen, die ich für wirklich wichtig halte und die offensichtlich immer noch mehr als notwendig sind, kurz darüber nachzudenken, worüber da so heftig und auch oft verletzend gestritten wird: über menschen, die füreinander sehr viel empfinden.

will keiner haben. ein weiterer beleg dafür, wie gut stereotypenbildung und gruppenbezogene menschenfeindlichkeit (vgl. zuletzt heitmeyer, wilhelm (hg.): deutsche zustände, folge 7. frankfurt am main (2008)) funktionieren. sicherlich: der anlass scheint zunächst ein geringer zu sein. aber die begründungen und die wiederum dahinter liegenden prozesse entlarven, wie gruppenbildung und -diskriminierung funktioniert.

nur ein schneller nachtrag:

eine sehr gut recherchierte und auch sachlich kompetente radioreportage gibt es hier beim deutschlandradio. man kann die sendung lesen oder hören. sehr angenehm finde ich, dass dort tatsächlich auf den leidigen begriff „homo-ehe“ zugunsten des richtigen begriffs der „eingetragenen lebenspartnerschaft“ verzichtet wird.

eine zusammenfassung der reaktionen einzelner politiker findet sich hier.

eine gute auseinandersetzung zum thema ist in diesem blog nachzulesen.

eine zusammenfassung der studie, auf die brigitte zypries sich bezieht, findet sich auf dieser seite des bmj ganz unten als pdf-datei.

bleibt noch die frage:

eigentlich ist schon die tatsache, dass man politisch darüber diskutieren muss, ob zwei menschen, die sich entschieden haben, einen weiten teil ihres lebens gemeinsam zu verbringen, weil sie sich lieben, kinder adoptieren können dürfen problematisch. aber die diskussion zeigt, dass die viel beschworene angeblich gestiegene akzeptanz gegenüber jenen, die nicht in das klassisch heterosexuelle „vatermutterkind“-bild passen, bei weitem noch nicht an dem punkt angelangt ist, an dem sie sein sollte.
mir geht es im moment weniger darum, im bestehenden rechtsmodell eine verbesserung zu fordern. solange die „eingetragene lebenspartnerschaft“ als sondermodell für homosexuell liebende oder begehrende personen nicht in ein gleichwertiges rechtsinstitut, das allein menschen offen steht und damit nicht wieder stigmatisierend ist, überführt wird, halte ich eine adoptionsdebatte nur aus einem grund für sinnvoll: sie scheint mir ein wirklicher lakmustest dafür zu sein, welche vorurteile sich gesellschaftlich gegenüber der imaginierten gruppen „der schwulen“ oder „der lesben“ nach wie vor existent sind.

ich bin frau zypries also dankbar, dass sie die debatte angestoßen hat, denn nun ist es wieder möglich, die wirklich klassischen stereotype in neuer auflage zu hören und zu lesen. ein besonders perfide formuliertes „argument“ war gestern von frau haderthauer, csu, sozialministerin in bayern, zu vernehmen. laut tagesschau.de sagte sie:

„Die Einschätzung des Gesetzgebers, wonach Ehepaarfamilien am besten solche optimalen Bedingungen gewährleisten können, halte ich nach wie vor im Sinne des Kindeswohls für angemessen und richtig.“

mit ehepaarfamilien sind in diesem zusammenhang heterosexuelle zweipersonenfamilien gemeint. kurz vorher wird sie im gleichen artikel mit den worten

Ziel von Adoptionen sei es, für Kinder eine optimale Familie zu finden und nicht umgekehrt

wiedergegeben.
dahinter steckt eine doppelte diskriminierung. erstens: homosexuelle paare (um die geht es hier) wollten kinder aus egoistischen gründen adoptieren. welche das genau sind, bleibt im dunkeln.
ich stelle drei vermutungen an.
vermutung eins: zwei menschen leben zusammen und wünschen sich ein kind. das könnte man in der tat als egoistisch interpretieren, je nach dem, welche gründe hinter dem wunsch nach dem kind stehen. allerdings erscheint es mir fraglich, ob die motivationslage aus der sexuellen orientierung der beiden menschen erklärt werden kann. anders gefragt: wenn sich ein heterosexuelles paar, das aus welchen gründen auch immer keine selbstgemachten kinder hat, ein kind zur adoption wünscht, hat dieses paar dann einen moralisch besser zu bewertenden kinderwunschgrund als ein nicht-heterosexulles, das aus welchen gründen auch immer keine selbstgemachten kinder hat? ist es zum beispiel legitimer, wenn ein heterosexuelles paar, in dem ein teil unfruchtbar ist, adoptieren will als wenn ein nicht-heterosexuelles paar adoptieren will? dahinter steht die klassische und immer wieder bemühte „natur“vorstellung, die entweder biologisch oder religiös verbrämt eingesetzt werden kann.

vermutung zwei: zwei menschen haben in der tat altruistische gründe und finden, dass es arme kinder gibt, die lieber ein liebevolles zuhause haben sollten und nicht im heim leben und wollen daher adoptieren. man könnte sagen, dass es sowas wie nächstenliebe oder solidarität gibt, die hier eine rolle spielt. auch hier vermag ich in der begründung keine unterschiede zwischen heterosexuellen und nicht-heterosexuellen paaren zu sehen: zwei (davon gehe ich im moment der einfachheit halber aus) menschen entscheiden sich, gesellschaftlich etwas sinnvolles zu tun und finden, adoption ist das richtige für sie.

vermutung drei: jetzt wird es spannend, denn: wer sich für eine adoption entscheidet, dürfte vermutlich sehr gründlich darüber nachdenken, ob er ein kind haben will oder nicht. das heißt: ein adoptiertes kind entsteht nicht durch eine vergessene pille, einen unfall oder eben „einfach so“. damit kann zumindest angenommen werden, dass die adoptierenden paare sich sehr genau überlegen, was und warum sie das tun, was sie tun wollen. und das dürfte auf die qualität der familiensituation vermutlich einen positiven einfluss haben. und auch das gilt für sämtliche formen familiärer zusammenhänge, egal, wer da mit wem ein kind erzieht.

die zweite diskrimierung oder besser: unterstellung – ist weitreichender. denn dabei geht es tiefer in die struktur des gesellschaftlichen zusammenlebens. frau haderthauer entlarvt, ohne es zu wollen freilich, einen interessanten zusammenhang. aus dem begehren von menschen in einem westlich zivilisierten land im 21. jahrhundert nicht mehr als bürger zweiter klasse behandelt zu werden (und zwar dann, wenn es um rechte nicht aber, wenn es um pflichten geht), entwickelt die sozialministerin eine polemik: wer gleichberechtigung einfordert, weil er eine „abweichende“ sexuelle orientierung hat, verlangt etwas anstössiges. will so eine person womöglich kinder erziehen, dann geht es dieser person nicht um die kinder sondern nur um sich selber. dieser rhetorische trick wird von dominanten (genauer: hegemonialen) gruppen gerne angewandt, wenn ihnen jene, die sie unterdrücken, an die privilegien wollen. genauso wie es nicht geht, dass die „ehe“ für alle menschen gilt, es für „die“ homos also ein extragesetz gibt, genauso geht das auch nicht mit den familien.
oder anders gesagt: was hier passiert ist eine gesetzliche festschreibung der unterscheidung zwischen heterosexuellen und homosexuellen menschen. dahinter steckt die idee, dass homosexuelle per se andere menschen und per se bestimmte eigenschaften haben (alle), die dazu führen, dass sie nicht auf kinder losgelassen werden sollten – und schon gar nicht da, wo man sie nicht kontrollieren kann – im eigenen heim nämlich. so wird simultan auch das bild der „irgendwie doch abartigen“ neu belebt, auch wenn das nicht explizit gesagt werden muss. auch dieses bild ist ein klassiker in mehrheiten-minderheiten-konstellationen.
so wird eine fiktion die alleinexistenz einer familienform inszeniert, die es empirisch schon lange nicht mehr gibt. denn: wenn ein kind vater und mutter braucht, dann sollte es keinen alleinerziehenden elternteile geben. und mehr männliches personal im primarbereich der bildungsinstitutionen. und so weiter.

heute fiel mir eher zufällig ein filmchen in die hände, das ich unter mindestens zwei aspekten spannend finde. thematisiert wird, in wie weit das coming-out und das (selbst)erleben von schwulen männern (die lesbischen frauen sind – wie so oft – ziemlich unterrepräsentiert) sich in den sphären von öffentlich bekannten personen und den menschen wie „du und ich“ unterscheidet. damit kommt ein phänomen zur sprache, das schon seit einigen jahren zu beobachten ist: es gibt eine mediale präsenz von schwulen und lesben, sie kommen im fernsehen und in anderen medien durchaus vor. die einstellung in der gesamtbevölkerung gegenüber personen, die partner des gleichen geschlechts bevorzugen, sind durch diese mediale präsenz aber nicht positiver geworden, wie der bielefelder soziologe wilhelm heitmeyer zum beispiel hier gezeigt hat.

im film werden für mich zwei dinge deutlich: zum einen zeigt sich, dass der protagonist heteronormative muster, die die gesellschaftliche ordnung nach wie vor bestimmen, qua sozialisation verinnerlicht hat. mit der wahrnehmung, nicht so zu sein, wie die anderen (in diesem fall heterosexuell), gehen oft komplizierte innerpsychische prozesse einher, deren bewältigung für den einzelnen schwierig sein können.
zum anderen wird an einer stelle des films die idee formuliert, dass man „schwule erkennen könne“. diese idee – die ebenfalls auf heteronormative muster zurückgeführt werden kann – ist sehr verbreitet und speist sich aus der annahme, dass schwule (und lesben) eben doch anders sind als heterosexuelle und dass dieses anderssein erkennbar sein muss. aus meiner perspektive handelt es sich dabei nur um ein bestätigen-wollen von stereotypen, die aber jeglicher grundlage entbehren.

und hier das filmchen:

ich habe gestern ein sehr kluges video gefunden, das mich zudem auch sehr berührt hat. bitteschön: