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ich habe mich in den letzten tagen mit kinderarmut in deutschland befasst. da kam mir – weil ja bald weihnachten ist – dieser text von erich kästner gerade recht:

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht soweit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bisschen durch die Straßen!
Dort gibt’s Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen –
Lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heil’ge Nacht –
Weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte recht so weit …
Ach, du liebe Weihnachtszeit!

Erich Kästner

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2 Comments

  1. Lieber Klemens,

    Kinderarmut in Deutschland? Ja, es gibt Kinderarmut in Deutschland! Viele wissen es nur nicht, oder machen die Augen zu:
    Während wir hier Mühe haben unseren Kindern das Verwalten von Reichtum beizubringen, haben andere nichts zu verwalten.
    Gerade an Weihnachten ist das wirklich so bitter, wie in der Liedumdichtung von Kästner.

    Aber haben wir unseren Kindern nichts anderes zu geben als unseren kommerziellen Reichtum?
    Wo ist der Reichtum, den eine intakte Familie geben zu mag, wo sich Kinder angenommen und geliebt fühlen, auch hier gibt es großen Mangel.
    Wo bleiben der Zusammenhalt und das sich dazugehörig fühlen, wenn es keine Geschwister gibt, oder vor lauter Reichtum scheffeln keine Zeit mehr bleibt für Familienzeit / Kinderzeit?
    Ich kenne Familien, da wird es auch keine Geschenke geben, aber es sind Familien, in denen es wirklich Weihnachten wird. Dort wissen die Kinder, dass sie geliebt sind und wertvoll – glückliche Kinder!

    Ich denke, das, was Kästner da beschreibt ist Realität und viele sind sehr arm und das völlig unverschuldet und dadurch an den Rand gedrängt in unserer Gesellschaft
    Viele materiell reiche sind aber so arm, dass man ausgehend von diesem Punkt mindestens genauso viel Sprengstoff für unsere Gesellschaft hat.

    Arme Kinder – Armes Deutschland!

    liebe Grüße
    Barbara

  2. Ach, Klemens, das ist genau wonach ich unbewusst gesucht habe! Danke.

    Kathi


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