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bei mascha findet sich dieser kluge text.

mir ist beim lesen aufgefallen, dass ich aus meiner perspektive noch etwas ergänzen möchte.
mir ist bewusst, dass es heute ein immer noch seltenes bild ist, wenn ein mann strickt. dass stricken nicht immer eine weiblich konnotierte tätigkeit war, zeigt ein schneller blick in die geschichte. stricken war auch nicht immer entspannend oder hobby. aber das ist ein anderes thema.
mir ist auch bewusst, dass ich als person, die als mann wahrgenommen wird und gleichzeitig etwas tut, von dem angenommen wird, dass es eigentlich frauen tun, irritationen hervorrufe. das ist manchmal gut, manchmal sogar gewollt.

in den meisten fällen ist es aber so, dass ich einfach stricke, weil ich gerade in diesem moment lust dazu habe und die zeit günstig ist. dass das in der straßenbahn, im zug oder sonstwo stattfindet, liegt unter anderem daran, dass mein zeitvorrat limitiert ist und ich mir die zeit, die ich zum stricken verwenden kann, wie viele andere auch, organisieren muss. das ist aber noch lange kein grund, exotisierende reden über mich zu veranstalten.
beispiel gewünscht? bitte: ich sitze in einer beliebigen straßenbahn (oder sonstwo, wo noch andere menschen sind) und stricke erfreut an meinen socken. mir gegenüber sitzen zwei andere jemande. ich bemerke, wie es zuerst ruhig wird und dann eine kommunikation folgender struktur beginnt:

jemand (1): schau, ein mann der strickt
jemand (2): ja und wie schnell der das macht
jemand (1): und ohne dabei hinzuschauen (schaut in meine richtung)
jemand (2): also ich könnte das nicht (schaut auch in meine richtung)
(altrenativ: „früher hab ich auch ganz viel gestrickt, aber heutzutage…“)

das kann man variieren: gelgentlich wird die situation intimer und ein jemand greift mit der frage „darf ich mal anschauen“ nach meinem gestrick. zipelmütze!
wenn es sich um mann-frau-pärchen handelt, wird gelegentlich die frage diskutiert, ob der männliche part auch stricken sollte. in der regel lehnt der dies empört ab. (und bitte: ich sitze immer noch in hörweite). etc.

ganz selten passiert es, dass wirklich jemand interesse an der tätigkeit als solcher hat.

solche sachen sind einmal witizg. auch zweimal. dann aber nicht mehr. dass ich stricken kann ohne hinzuschauen, dürfte daran liegen, dass ich schon viele jahre trainiere. die meisten leute, die ich kenne und die eine ähnlich lange zeit stricken, können das auch. dass ich für socken keine anleitung mehr brauche, dürfte ungefähr dem gleichen effekt geschuldet sein.

auch dieses seltsame „über mich reden und mich dabei anschauen“ finde ich hochgradig merkwürdig. ich sitze da und habe offensichtlich zwei ohren und einen mund. und bin ansprechbar (es sei denn, ich habe gerade kopfhörer in meinen ohren – dann gebietet es die höflichkeit, mich nicht anzusprechen). und natürlich kann es sein, dass ich nicht immer besonders erfreut reagiere, wenn ich im zug darauf angesprochen werde, dass ich stricke. (und wirklich, der satz „oh, ein mann der strickt“ ist auch selten dämlich. das weiß ich alles ungefähr auch schon. zipfelmütze!)
ich renne doch auch nicht durch den zug und frage jede person, die weiblich aussieht und liest, ob sie das schon immer macht und bewundere sie dafür und erzähle, dass ich auch lese, nur weil lesen vor 130 jahren für frauen nur in einem sehr bedingten rahmen geziemlich war.

was will ich sagen: ja, ich weiß, dass es was besonderes ist. und ja, ich weiß auch, dass es irritiert. dennoch habe ich keine lust, auf so seltsame weisen exponiert zu werden. ich stricke und zwar sehr gerne und auch so oft es eben geht. und es gibt viele andere leute, die tun das auch. und viele stricken wesentlich besser als ich. allein die tatsache, dass ich als „mann“ etwas tue, was eigentlich „frauen“ tun, macht für mich keinen unterschied. und ich muss auch nicht immer darauf hingewiesen werden. ich freue mich, wenn leute interesse an der sache als solcher haben. aber das wäre für mich schon ein anderes thema.

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11 Comments

  1. Nuuun, ja du fällst mehr auf als Mann. Doch glaub mir, auch Strickerinnen werden in der Bahn, Wartezimmer oder sonst wo, wo es noch mehr Menschen gibt seltsam betrachtet. Auch dort trauen sich viele Menschen nicht, einen an zu sprechen und reden über einen himweg. Gott sei dank hat es noch niemand gewagt nach meinen Strickzeug zu greifen. Ich glaub ich würd dann beißen…
    Doch dafür hör ich öfters:“ Oh sie stricken ! Nun für sowas hab ich keine Zeit…“
    Und das von Frauen die stupide Stundenlang auf den Spielplätzen sitzen. *grummel*
    Noch als letztes: In der öffendlichkeit Sitzen und stricken und erstaunte Kinder fragen hören: „Mama/Papa, was macht die Frau da ?“
    Bis jetzt hab ich zu hören bekommen: „Sie häkelt. Sie strickt. Sie webt.“
    Hat auch was…
    Gruß Euredike

  2. sowas ähnliches wie Euderike wollt ich auch schreiben! Auch als strickendens „Weib“ wirst Du mitunter angeschaut als wärest Du gerade aus einer gelandeten Untertasse gestiegen. Noch schwieriger wird es dann bei der Analyse, wofür/warum man das macht. Spaßfaktor allein reicht das scheinbar nicht!!!
    Umso schöner, wenn dann die Reaktion kommt, ich hab zu Haus auch diess, jenes, welches an Handarbeit liegen.

    Aber ich kann mir gut vorstellen, dass ein öffentlich strickender Mann noch ein bisschen interessanter ist! *rofl* – wie gemein!!!

    einen schönen Sonntag
    Ute

  3. Hallo Klemens,

    ich kann die Artikel meiner Vorrednerinnen nur unterschreiben. Auch ich ernte regelmäßig seltsame Seitenblicke, wenn ich in der Öffentlichkeit stricke. Geburtstagsgeschenke, die ich in der Richtung mache werden bisher meistens nur belächelt. Sicher, ich bin nicht so gut wie manch anderer, und trotzdem hab ich viel Mühe und Zeit investiert.

    Zu dir: Ich glaube wirklich, die Leute meinen es nicht böse. Ich glaube die meisten denken nicht mal, dass es auch einfach nerven kann, wenn hinter dem Rücken über einen gesprochen wird. Daher: versuch‘ dich nicht zu sehr zu ärgern. Auch wenn’s schwer fällt.
    Liebe Grüße,

    Steffi

  4. Ich sage nur: Schluss mit dem männlichen Gejammere.
    Vor 32 (ihr lest richtig!!!) Jahren kam ein Mann auf mich zu und fragte, ob ich ihm und seinen Freunden das Stricken beibringen wollte. Klar, machte ich doch gerne. Und: Es kamen von den, vor allem in der Öffentlichkeit strickenden Männern, nur positive Rückmeldungen. Ob sie im Bus, der Bahn oder auf dem Schiff strickten, ich habe damals, ohne Internet und wenig sortierter Strickliteratur vieles von meinen strickenden, ständig „on the road“ männlichen Strickschülern erfahren und dazu gelernt.

    Stricker war übrigens früher ein reiner Männerberuf, bevor er zur Hausfrauennebentätigkeit herabgestuft wurde.

    LG Heidi

  5. Ich würde wohl auch lächeln, wenn ich einen strickenden Mann in der Öffentlichkeit sehen würde. Wohlweislich „lächeln“, nicht „belächeln“, weil ich es toll finde, dass es in unserer Zeit doch Männer gibt, die sich aus den Klischees, männlich/weiblich (und das dürfte ja nun der Grund für das Gegaffe sein), nichts machen.

    Mein Exmann hat vor vielen Jahren, als blutiger Neuling, einen Nähkurs besucht, um mir ein Kleid zu nähen. Die dummen Sprüche und Vorurteile unserer Gesellschaft waren äusserst interessant, für ihn selbst, genauso, wie für mich. Das Kleid ist übrigens toll geworden, wurde von mir gern getragen, und ich wurde auch des öfteren darauf angesprochen. Interessanterweise meinte jeder, dem ich erzählte, mein Mann habe es für mich genäht, ich würde einen Witz machen.

    Ich selbst kenne auch zwei Männer, die stricken können, und das auch gern tun, allerdings still und heimlich daheim im Kämmerlein. Schade drum, aber das sagt viel über unsere Gesellschaft aus. Ein berühmter Stricker fällt mir auch noch ein, nämlich Bill Cosby, der die Pullover, die er trägt, meist alle selbst gestrickt hat.

    Leute, die reden, als sei man nicht anwesend (oder meinen die, man wäre geistig minderbemittelt?), ignoriere ich, die gibt es überall, und ich wurde auch schon angegafft, weil ich stricke, wenn ich unterwegs bin.

    Das Männlein/Weiblein Denken, fängt leider schon bei den ganz Kleinen an, ich habe des öfteren das Vergnügen, das zu beobachten, wenn mein Sohn seinen Puppenwagen durch die Gegend schiebt 😉

  6. ob nun Männlein oder Weiblein spielt meiner Meinung nach überhaupt keine Rolle. Man ist ein Alien in der Öffentlichkeit. Da ich nicht der Klischee-Strick-Gruppe der über 80-jährigen weißhaarigen Omas angehöre, bin ich mindestens genauso seltsam wie Du und werde genauso seltsam über meinen Kopf hinweg angesprochen.

  7. Hallo Klemens,

    wie gesagt, mein Mann saß im Zug in deiner Nähe und hat bemerkt, dass du sehr schnell strickst. Er hat dich nicht angesprochen, aber die subtile Bewunderung musste er mir mitteilen. Freu dich über Anerkennung und Bewunderung, vielleicht macht das die etwas unangenehmeren Bemerkungen wett.

    Und hier noch was http://www.youtube.com/watch?v=bR0Rwm3o27Y&eurl=http%3A%2F%2Fhandavinnublogg.blogspot.com%2F&feature=player_embedded#t=171 Ich habe es gerne geschaut : )

  8. ich kann mich den vorschreibern nur bedingt anschließen und verstehe deinen beitrag nicht als männliches gejammere.
    ja, man wird auch als frau* mitunter erstaunt „betrachtet“, wenn man in der öffentlichkeit strickt. das ist auch mir nicht fremd. es ist aber doch noch ein großer unterschied zu dem, was geschieht, wenn ein mann* (in der öffentlichkeit, nicht im stillen kämmerchen) strickt. so zumindest meine beobachtungen im strickcafé. ich bin mitunter wirklich erstaunt, mit welcher selbstverständlichkeit du einfach so angesprochen, in deinem (mitunter auch beschäftigten) tun unterbrochen und zuweilen komplett „in beschlag“ genommen wirst. (mir wäre da das eine oder andere mal schon die hutschnur gerissen und so kann ich dich nur deiner geduld wegen bewundern.)
    ja, es ist wahrscheinlich wirklich so, dass der statistische durchschnittsmann weniger strickt als die statistische durchschnittsfrau (mal vorausgesetzt, es gibt ihn und sie). viele männer, die im strickcafé über „den strickenden mann“ staunen, sagen, sie könnten solch „filigrane“ sachen nicht (nahezu nach dem chauvi-motto: „warum haben frauen so kleine hände? – damit sie in der küche besser die ecken putzen können.“). bei goldschmieden oder uhrmachern wundert sich keiner.
    dass ein mann eine „heutzutage fraulich konnotierte“ tätigkeit ausübt, ist etwas besonderes, weil vermeintlich selten gesehenes (kochen wird – im privaten – auch eher den „fraulich konnotierten“ tätigkeiten zugerechnet, die köche im fernsehen sind aber fast alle männer). aber deswegen so übergriffig zu werden und vorauszusetzen, dass man „den strickenden mann“, egal wo ansprechen darf, oder noch schlimmer, in seinem beisein über ihn zu reden, finde ich unartig (mir fällt da spontan das zitat aus „herr lehmann“ ein: „man redet nicht über anwesende in der dritten person.“). um bei den köchen zu bleiben: im restaurant wundert sich ja auch niemand, dass ein mann hinterm herd steht, und es sagt auch keiner „schau mal, der kann rindfleisch auf den punkt braten, und das ohne kochbuch, unglaublich. und schmecken tut’s auch noch.“
    ich kann dich verstehen, dass es mitunter lästig ist, ständig und allerorts gesprächsgegenstand zu sein, nur weil man das tut, was man gern tut. das ist, wie wenn man über eine person witze macht ob ihres namens. spätestens im ungefähren alter von 15 jahren dürfte diese person schon alle witze darüber gehört haben (und da spreche ich aus erfahrung… 🙂 ).
    umarmend,
    mascha

    *frau für weiblich wahrgenommenes wesen, mann für männlich wahrgenommenes wesen, der kürze wegen

  9. Hallo Herr K. 🙂

    Ich bin über Wapitis Seite auf dich gestoßen (eigentlich auch egal…). Jedenfalls wollte ich auch meinen Senf hier zu geben.

    Die Tatsache in der Öffentlichkeit zu stricken macht nicht nur einen „Mann“ zum Exoten sondern auch „Frau“. Ich strick auch immer und überall, somit eben auch in der Bahn und du glaubst gar nicht, was man sich da teilweise anhören muss (doch glaubst du wohl, erlebst es ja selbst oft genug). Lustig fand ich da mal eine Frau. Sie beäugte mein Gestricksel (hab auch blind gestrickt) und meinte dann: STricken sie ? Hm, in so einem Moment liegt es mir auf der Zunge zu sagen: Nö, ich back mir ein Auto… oder ähnliches. Naja. Das sind so Situationen die nerven durchaus. Und hm, wenn jemand ein Buch liest wird man in der Regel nicht angesprochen (wobei das auch hin und wieder vorkommt). Die Tatsache, dass du dann noch ein Mann bist macht dich wohl noch interessanter. Wobei ich zugeben muss, ich hätte dich wohl auch angesprochen, aber ich sprech jede Strickerin/jeden Stricker an den ich in der Öffentlichkeit sehe, einfach weil ich selbst so gern strick und mich freu wenn ich andere stricken seh 😉

    Ich glaub aber auch nicht, dass die Leute die dich ansprechen das böse meinen oder so. Es ist Interesse und Bewunderung (vielleicht auch Neid, weil andere Männer keinen A… in der Hose haben selbst auch die Nadeln zu schwingen und das dazu noch in der Öffentlichkeit…)

    Hm, ja, das wars auch schon. Würd dich gern mal kennenlernen 🙂

  10. „Das ist doch vertane Zeit, ein Paar Socken bekommt man doch für 5 Euro bei XXX im 10er-Pack.“

    „Was? für 100g Wolle 30€? Ich meine, das mag ja handgesponnenes Angora sein, aber im Internet gibts das schon für 3 Euro…“

    Egal, welches Handwerk, egal, ob männlich oder weiblich konnotiert: Handwerkstechniken werden nicht mehr geschätzt und geachtet. Aus Freizeit-Handwerk, was Dinge entstehen läßt (Stricken, Spinnen, Nähen….), werden zunehmend Beschäftigungen die Ressourcen verbrauchen: früher strickte man, heute glotzt man TV oder Internet.

    Vor nichteinmal 50 Jahren häkelte die Hausfrau neben dem üblichen Haushalt noch die Gardinen. Heute hat sie ihren Putzroboter, Kohlen zum Kochen müssen auch nicht mehr geholt werden, hat sie also Zeit, um sich die Nägel zu lackieren.

    Strickende Menschen in der Öffentlichkeit stellen einen Anachronismus dar, muten an, wie Traditionalisten. Dann noch der strickende Mann, das ist ja noch anachronistischer, das ist ja Mittelalter, als es noch Weber gab, als man noch Strümpfe nadelband (Männerarbeit).

    Man erntet nicht nur mit dem Stricken dumme Blicke. Auch wenn Du mit was über 30 Lenzen Kaninchen züchtest (macht man erst mit über 70) oder wenn zwei schwule Männer nicht nur zusammenleben, sondern auch noch ohne Kredit ein eigenes Haus bauen. Auch dann bekommst Du dumme Blicke.

    Diese dummen Blicke entspringen einem ganz tief sitzendem Verlust: dem etwas selbst erschaffen zu können. Heute macht man in Versicherungen, aber schon nur nen Nagel in die Wand schlagen ist bei vielen Männern Fehlanzeige. Und nun sitzt da ein handwerkender Mann da, der etwas erschafft, was man selbst nicht kann, vielleicht sogar nicht mal kaufen kann. Das erzeugt Neid. Das erzeugt Mißgunst.

    Nach 14 Tagen Ölembargo sitzen ebendiese Neidhammel in der Gosse: neben Versicherungen verkaufen, die dann keiner mehr braucht können die nämlich nix. Ein strickender Mann hats da wenigstens warm im Winter. Und DAS ist denen erstaunlich bewußt.

  11. Oh weh … ICH hab auch so blöde Reden gehalten, als ich dich das erste Mal Stricken sehen habe… Macht es eigentlich einen Unterschied, ob da ein bewundernder Unterton dabei ist (wie bei mir damals) oder ein negativer? HOFFENTLICH! *grins
    Ich wünschte, es würden mehr Männer und Frauen in der Öffentlichkeit stricken, damit man nicht wie ein buntes Pferd im Zoo bestaunt werden muss.
    Ich bewundere meine Schwester mit ihrer Offenheit. Sie quatsche jeden an, der etwas Interessantes hat oder tut. Ich bin da viel zu schüchtern und ärger mich hinterher.
    In deinem Fall … dank dem Strickcafé sind wir ins Gespräch gekommen. JETZT würd ich mich trauen, dich in der Straßenbahn anzuquatschen. hihihi
    Liebe Grüße
    Monika


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