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Tag Archives: homos

Dass Homophobie in der bundesdeutschen Gesellschaft ein existentes und wieder zunehmendes Phänomen ist, zeigt Wilhelm Heitmeyer in der neuesten Ausgabe der „Deutschen Zustände“ (Infos hier).
Ein Ausdruck von Homophobie ist die Tatsache, dass schwule Männer kein Blut spenden dürfen.
Der Ausschluss von Personen über ihre angebliche Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, die als Minderheit konstruiert und dann mit schlechten Eigenschaften versehen wird, ist zwar ein immer wieder wahrzunehmender Prozess, der dadurch aber nicht legitimiert sein kann. Dass Schwule kein Blut spenden dürfen liegt daran, dass sie angeblich ein promiskes Sexualverhalten hätten und daher das Risiko, dass Menschen dieser Gruppe sexuell übertragbare Krankheiten hätten, größer sei. Dass hier eine unzulängliche Verallgemeinerung stattfindet, liegt auf der Hand: weder kann mit Sicherheit gesagt werden, dass schwule Männer ein Sexualverhalten haben, das weniger sicher ist, als das von Heterosexuellen, noch kann gesagt werden, dass es keine Heterosexuellen gibt, die ein angeblich unsicheres Sexualverhalten haben. Es kann also davon ausgegangen werden, dass der Ausschluss schwuler Männer vom Blutspenden schlicht eine diskriminierende Praxis darstellt.
Ein besonders krasser Fall ist aus aus Schottland bekannt geworden: Der 21-jährige Dij Bentley, der sich selber als schwul beschreibt, durfte seiner todkranken Mutter kein Blut spenden. Diese starb daraufhin, weil sie das dringend benötigte Spenderblut nicht bekam.
Spätestens hier wird die Unsinnigkeit von bestimmten Regeln oder Ordnungen deutlich.
Weitere Informationen und die Möglichkeit, sich zu engagieren, gibt es beim Verein Schwules Blut.
Und was Homophobie angeht – da fällt mir nur dieses Lied ein:

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mehr dazu gibt es hier

…so gut, dass man sie unbedingt verlinken muss.

der hier zum beispiel.

alleine dieser satz

Max Goldt sagte sehr klug, dass seine Homosexualität genauso viel über ihn aussagt wie sein Vegetariertum, nämlich herzlich wenig.

hat mir schon große freude gemacht.

das ist schön. da tun sich leute zusammen und basteln lustige clips gegen homophobie. in diesem fall zu einem sehr heiteren liedchen mit einem prägnanten text.
weil ich mich nicht entscheiden konnte, welches der vielen videos ich am besten finde, hab ich mal zwei rausgesucht 🙂
und den text auch mal aufgeschrieben. das lied ist von lily allen.

Look inside, look inside your tiny mind
and look a bit harder
cause were so uninspired
so sick and tired
of all the hatred you harbor

so you say its not okay to be gay
well I think youre just evil
youre just some racist who cant tie my laces
youre point of view is medieval

Fuck you, fuck you very very much
cause we hate what you do
and we hate your whole crew
so please dont stay in touch

fuck you, fuck you very very much
cause your words dont translate
and its getting quite late
so please dont stay in touch

do you get, do you get a little kick out of being small-minded?
you want to be like your father
its approval youre after
well thats not how youll find it

do you, do you really enjoy living a life thats so hateful
cause theres a hole where your soul should be
youre losing control of it
and its really distasteful

by the way: ich bin mir nicht sicher, ob ich mit der these, dass es „vor allem jugendliche mit migrationshintergrund sind“, die homophob reden und handeln, so mitgehen würde. da müsste man genauer hinschauen, wie diese aussagen zustande kommen und welchen hintergrund die haben. insgesamt zeigt der film aber eine tendenz, die ich bemerkenswert und erschreckend finde: es hat sich in bezug auf die akzeptanz schwul-lesbischer lebensweisen in den letzten jahren nicht wirklich etwas verändert. darüber kann auch die mediale präsenz von homosexuell empfindenden menschen in irgendwelchen daily-soaps nicht hinwegtäuschen.

ein filmchen, das ich schon seit einer weile posten wollte.

es handelt sich quasi um die zusammenfassung einer relativ ausführlichen reportage (die man von dem film aus auch erreichen kann). besonders spannend fand ich ein statement einer jungen frau, die über das „sich immer wieder outen müssen“ sprach.

eben las ich hier, dass daniel radcliffe (ja, wir kennen ihn aus harry potter) das trevor project unterstützt. den entsprechenden film (trailer hier) kann ich wirklich empfehlen. und ein paar eindrücke aus der arbeit des projekts gibts im folgenden videobeitrag:

natürlich wäre es schöner, wenn es nicht notwendig wäre, dass solche projekte existierten. aber immerhin gibt es sie und ich glaube, dass sie einen wesentlichen beitrag dazu leisten, jungen menschen in wirklich schwierigen situationen unterstützung anzubieten.

ich habe ein paar nachträge und ergänzungen:

zum einen hat die zeit einen interessanten artikel über evangelikale christen, die aus deren kreisen oft verbreitete idee der reparativen therapien von homosexuell empfindenden menschen und die frage nach dem freiheitlichen wissenschaftlichen diskurs in diesem kontext veröffentlicht.
dazu noch zwei anmerkungen: zum einen wird im zusammenhang mit einem papier, das ein wissenschaftler verfasst hat, über die erhöhte suizidrate und die häufigere beobachtbarkeit von depressionen bei menschen (v.a. jugendlichen), die homosexuell empfinden, gesprochen. dazu bleibt einmal mehr zu sagen: ein aufwachsen in einer gesellschaft, in der sich ein einzelner zunächst vollkommen isoliert und “falsch” fühlen muss, da sie heterosexuell und nicht zwischen verschiedenen sexuellen orientierungen gleichberechtigt organisiert ist, führt sicherlich nicht so einfach zu einem gesunden und stabilen selbstwertgefühl. Und auch nicht zu bejahender selbstliebe wie unter gleichen bedingungen ein heterosexuell empfindender jugendlicher. dazu kann man hier mehr lesen.
(ein blick in schulbücher oder klassische werbesendungen reicht, um diese these zu erhärten – es gibt nahezu keine werbung, in der zwei männer einfach zusammen einkaufen gehen und dabei feststellen, dass die eine nudelsauce mit mais viel besser schmeckt, als die andere. oder die eine versicherung mehr “freiräume” einräumt als die mitbewerbende – beispielsweise. und wenn doch, dann ist mit sicherheit davon auszugehen, dass klassische stereotype diese sendung begleiten werden. zu diesem bereich gehören auch situationen wie die frage bei einem jungen nach der ersten freundin, der umgang mit dem thema in der schule und in der peergroup, die angst, dass der zweijährige, wenn er mit puppen spielen würde, womöglich ein homo werden könnte.
gerade diese idee ist immer noch präsent. ein blick in ein beliebiges forum zeigt, dass das thema immer wieder diskutiert wird – und auch wenn inzwischen klar ist, dass es keinen zusammenhang zwischen puppenspielerei und sexueller orientierung gibt, halten sich die beiträge, die eine „schwul ist genauso okay wie hetero“-perspektive einnehmen, sehr in grenzen).

der andere wesentliche punkt scheint mir zu sein, dass die kombination aus religiöser veränderungsperspektive und scheinbar psychologischer kompetenz eine nicht ungefährliche mischung ergibt. diese zielt im endeffekt auf den eben angedeuteten punkt ab: der versuch ist nicht, gesellschaftliche zusammenhänge als problematisch zu verstehen sondern dem einzelnen, der unter diesen – sehr vorsichtig formuliert – nicht wertschätzenden verhältnissen leidet, ein angebot zu machen, sich „verändern“ zu können. natürlich ist das perfide: es wird eine normativ aufgeladene idee der welt unterstützt, die es dem einzelnen schwer macht, sich darin willkommen geheißen zu fühlen und dann bietet man ihm an, dass er sich verändern kann. ebenso könnte man sich eine welt vorstellen, in der diejenigen, die zwei ungleich lange daumen haben (schauen sie schnell!) diejenigen sind, die nicht so recht in den (schöpfungs-/wasauchimmer-)plan passen und ihnen dann „heilung“ versprechen. das wäre genau das gleiche.

hier noch ein paar weitere schnelle links:
zum adoptionsrecht und dem rückzug der klage der bayerischen landesregierung gegen die stiefkindadoption findet sich hier ein guter beitrag.

und zur ganz alltäglichen homophobie ist hier ein besonders schönes exemplar von einem blogger notiert worden. hier wiederum findet sich eine interesannte studie zum thema.

und gestricktes gibts auch bald wieder….

ich habe in den letzten tagen festgestellt, dass ich es sehr schwierig finde, zwei verschiedene ebenen innerlich zu trennen, wenn es um ausgrenzung von menschen geht, die anders sind als die, die die angebliche mehrheit stellen.
in bezug auf das, was allgemeinhin als sexuelle orientierung beschrieben wird, stößt mir das besonders auf. viele diskussionen spielen sich auf einem sehr abstrakten und oft nahezu sterilen terrain ab. das hat sicherlich gute gründe, denn die argumentative auseinandersetzung damit benötigt einen möglichst „objektiven“ raum. auf der anderen seite kann dabei in vergessenheit geraten, worum es eigentlich geht: um menschen, die einen anderen menschen lieben. ausbuchstabiert also: um menschen, die einander vertrauen, die sich nacheinander sehnen, die leben miteinander teilen wollen. wie das im einzelnen aussieht, ist sicherlich sehr individuell – manche verwandeln ihre wohnung in ein kerzenmeer um dem anderen zu zeigen, dass sie ihn lieben. andere drücken sich mit worten, blicken oder gesten aus. ob es das gefühl ist, nicht alleine einzuschlafen oder die berühmte schulter – liebe lässt sich kaum in worte fassen.
heute sah ich zwei junge männer, die ganz ineinander versunken waren, in einem café sitzen. sie haben sich, so hätte man früher vielleicht gesagt, vollkommen genügt. und das gefühl ist ein anderes als das, was ich wahrnehme, wenn ich lese „dass schwule und lesben keine kinder adoptieren können“ oder das „homosexualität widernatürlich ist“. vielleicht ist es dieser transfer, der es einfacher machen würde, einander zu verstehen. und bei den vielen diskussionen, die ich für wirklich wichtig halte und die offensichtlich immer noch mehr als notwendig sind, kurz darüber nachzudenken, worüber da so heftig und auch oft verletzend gestritten wird: über menschen, die füreinander sehr viel empfinden.